Martin

Martin

Seit Tagen hatte ich mit einem Infekt zu kämpfen, der nicht besser wurde und meine Stirnhöhle sowie die Nasennebenhöhlen stark befallen hatte. Unsere Eltern unterstützten mich daher sehr beim Gesund werden. Über das Wochenende waren die Kinder bei Pauls Eltern, und ab Montag bat ich meine Eltern, zu uns zu kommen, um mich zu unterstützen.

Der Geburtstermin von Martin war zwar erst in etwa 10–12 Tagen, aber ich hatte das Gefühl, dass ich unbedingt gesund werden musste und keine Zeit mehr für alles hatte.

Als meine Eltern am Montag zu Mittag kamen, ging es mir wieder etwas schlechter. Beim Spielen mit den Kindern am Boden bemerkte ich einen Ausfluss, der für mich untypisch war.

Nach dem Mittagessen war ich so müde, dass ich mich hinlegte und etwa 4–5 Stunden schlief – genauso lange, wie Paul arbeiten war.

Am Abend, beim Zusammenräumen der Spielsachen und beim Abendessen, dachte ich mir – wie auch schon in den letzten Tagen –, dass der Kopf des Babys sehr unangenehm ins Becken drückte. Als ich dann gegen 22 Uhr schlafen ging, bemerkte ich, dass es heute sehr oft im Bauch zog. Beim Lesen beobachtete ich, dass es immer wieder kam und so stark war, dass ich nicht einschlafen konnte.

Daraufhin holte ich mir eine Wärmeflasche, um die Krämpfe zu lindern, nahm aber auch mein Handy mit, um die Zeiten zu stoppen, da mir der Gedanke kam, dass es bereits Wehen sein könnten. Die Wärmeflasche brachte keine Besserung, die Krämpfe kamen weiterhin und beim Stoppen stellte ich fest, dass sie sehr regelmäßig waren – etwa alle 7–8 Minuten, jeweils ca. 45 Sekunden lang.

Ich dachte mir: Ui, das sind jetzt wohl Wehen, hoffte aber trotzdem, noch etwas schlafen zu können, da es kurz nach Mitternacht war. Ein paar Minuten später machte es jedoch während einer Wehe im oberen Bauchbereich ein deutliches „PLOB“. Mein erster Gedanke war, dass Martin mich während der Wehe genau dort tritt. Kurz darauf merkte ich jedoch, wie es unten langsam warm und feucht wurde.

Ich weckte Paul und sagte ihm, dass ich vermutlich einen Blasensprung hatte und kurz auf die Toilette gehe, falls noch Fruchtwasser nachkommt. Paul weckte meine Eltern und kam zu mir ins Bad. Wir sprachen kurz ab, wie wir es mit den Kindern und meinen Eltern machen würden und ob wir die Hebamme schon anrufen sollten.

Da die Kinder tief und fest schliefen, meinte ich, meine Eltern sollten zu ihnen ins Schlafzimmer gehen und wir würden ins Bett meiner Eltern wechseln, das im Wohnzimmer steht.

Während mein Papa und Paul alles vorbereiteten – den Geburtspool herrichten sowie den Kachelofen und den Tischherd einheizen – ging ich im Haus auf und ab, atmete die Wehen weg und stoppte weiterhin die Zeiten. Die Wehen kamen nun etwa alle 1:40 bis 2 Minuten und dauerten ca. 30–40 Sekunden.

Unsere Hebamme Anna hatte ich noch auf der Toilette verständigt, und sie kam gegen 1:45 Uhr bei uns an. Sie brachte die Folie für den Pool mit, und wir begannen, ihn zu füllen. Anna hörte die Herztöne ab – alles passte. Mein Papa ging zu den Kindern und meiner Mama ins Schlafzimmer.

Die Wehen wurden langsam stärker, und als der Pool voll war, stieg ich hinein. Es war sehr warm, aber ich empfand es trotzdem als angenehm. Paul legte sich ins Bett neben den Pool und versuchte, noch etwas zu schlafen. Durch das Atmen während der Wehen wurde ich durstig und bat Paul um etwas zu trinken und darum, bei mir zu bleiben. Er hielt meine Hand.

Die Wehen wurden immer intensiver, und Anna meinte, ich klinge nun anders. Ich sagte, dass sich langsam Pressdrang ankündigte.

Bei der dritten Wehe dieser Art war der Pressdrang voll da. Ich versuchte mir vorzustellen, wie ich ganz weich und weit bin und sich alles öffnet. Während des Pressens merkte ich, wie sich das Baby immer weiter nach unten schob.

Die Wehen kamen in sehr kurzen Abständen, sodass ich kaum Zeit zum Erholen hatte. Zusätzlich erschwerte mir mein Infekt mit Husten das Atmen. Anna gab mir jedoch eine ruhige und tiefe Atmung vor, auf die ich mich konzentrierte.

Dann spürte ich, dass der Kopf kurz vor dem Austritt war. Bei der nächsten Wehe öffnete sich das Becken, und der Kopf des Kindes kam fast ganz heraus. Mit einer weiteren Wehe konnte ich schließlich den Kopf gebären. Anna sagte mir, dass der Kopf nun draußen sei. Mit der nächsten Wehe wurden die Schultern und der restliche Körper geboren.

Anna fing den Kleinen im Wasser auf, ließ mich umdrehen, sodass ich mich im Pool hinsetzen konnte, und legte mir unseren dritten Sohn in die Arme.

Paul und ich betrachteten unseren kleinen Mann voller Stolz.