Matthias

Matthias

Schon seit der Früh hatte ich immer wieder ein unregelmäßiges Ziehen im Unterleib, bei dem ich dachte, es könnten Wehen sein. Allerdings gab es keinen regelmäßigen Abstand, und nach 30–60 Minuten hörten sie wieder auf. Es war genau der Geburtstermin, und zu Mittag hatte ich meinen Termin beim Frauenarzt.

Dieser meinte, wenn das Baby nicht bald komme, solle ich unbedingt mit meiner Hebamme sprechen und ins Krankenhaus gehen, da das Fruchtwasser bereits weniger werde.

Ich machte mir darüber jedoch keine großen Gedanken und verbrachte den schönen Sommertag mit Michael und meiner Mama bei uns am Hof.

Am Nachmittag hatte ich wiederholt diese Wehen, sie waren jedoch unregelmäßig und ich konnte sie gut wegatmen.

Am Abend meinten meine Eltern, sie würden die Nacht mit Michael bei Pauls Eltern verbringen, falls ich etwas Ruhe bräuchte. Als sie mir das sagten, wurden die Wehen plötzlich stärker und regelmäßiger – als hätte ich nur darauf gewartet.

So fuhren meine Eltern gegen 20 Uhr mit Michael zu den Schwiegereltern. Ich rief Anna an und sagte ihr, dass meine Wehen nun regelmäßig seien. Sie meinte, sie würde sich gleich auf den Weg machen.

Paul richtete in der Zwischenzeit den Pool für mich her.

Etwa eine Stunde später war Anna da. Sie hörte die Herztöne ab – alles war in Ordnung.

Ich stieg in den Pool, Paul legte sich neben mir aufs Bett, und Anna machte es sich auf der Couch gemütlich. Während ich im Pool saß, tratschten wir zu dritt, und während der Wehen versuchte ich, diese wegzuatmen – meistens schnaubte ich dabei wie ein Pferd.

Paul meinte scherzhaft, dieses Mal sei es irgendwie noch nicht so actionreich wie bei Michael. Ich antwortete nur: Das kommt schon noch …

Kurze Zeit später war es auch so. Plötzlich wurden meine Laute während der Wehen tiefer, und ich verspürte einen starken Pressdrang. Auch Anna meinte, das klinge nun anders. Sie tastete vorsichtig nach, ob der Muttermund schon offen sei, und sagte, ich könne gerne mit dem Pressen beginnen.

Ich konnte gar nicht anders, als zu pressen.

Ich merkte, wie das Baby immer weiter nach unten gedrückt wurde. Obwohl ich das Gefühl hatte, dass der Kopf schon herausschauen müsste, wusste ich noch von der ersten Geburt, dass noch ein Stück vor mir lag.

Plötzlich begann es zu brennen, und ich dachte mir: Ach du meine Güte – diesen Schmerz hatte ich völlig vergessen, das tut jetzt richtig weh. Anna sagte daraufhin: Einmal noch pressen, dann ist der Kopf da.

Ich presste, konnte den Kopf gebären, und mit der nächsten Wehe kam auch der restliche Körper unseres Matthias zur Welt. Anna legte ihn mir auf den Bauch, und Matthias begann sofort zu schreien.

Paul und ich blickten voller Freude auf unser „kleines Bröckchen“, das über 4.100 g wog.